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Schwerpunkt: Endokrinologie / Diabetologie

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Domain:  www.prolaktinom.info

Definition des Prolaktinoms
Prolaktinome sind prolaktinproduzierende Mikroadenome (unter 10 mm Durchmesser) oder Makroadenome (über 10 mm Durchmesser) mit Hyperprolaktinämie.

Epidemiologie des Prolaktinoms
Prolaktinome machen 40-50% der endokrin aktiven Hypophysentumoren aus. Mikroprolaktinome treten wesentlich häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Sie haben eine geringere Progressionstendenz und sprechen sehr gut auf eine medikamentöse Therapie an. Makroprolaktinome finden sich überwiegend bei Männern; sie wachsen oft invasiv und gehen mit extrem hohen Prolaktinspiegeln einher.

Pathophysiologie des Prolaktinoms
Prolaktin übt seine wichtigste Wirkung auf die weiblichen Fortpflanzungsorgane aus. Es steuert die Milchsekretion der Brust nach der Schwangerschaft und bewirkt eine Hemmung der Gonadotropinwirkungen über Effekte an den Ovarien. Prolaktin hemmt seine eigene Sekretion durch die Stimulation hypothalamischer Opiate und des Dopamins, welche auch die pulsatile Aktivität der GnRH-Neurone supprimieren. Thyreotropin (TRH) sowie vasoaktives intestinales Peptid (VIP) sind potente Stimulatoren der Prolaktinsekretion. Die physiologische Steuerung erfolgt jedoch überwiegend über eine chronische Hemmung der Sekretion durch Dopamin.

Symptomatik bei Prolaktinom
Typische Symptome sind Sterilität, Oligo- bis Amenorrhoe, Libido- und Potenzstörungen sowie Galaktorrhoe (spontaner Milchfluss). Bei Makroprolaktinomen ist eine Hypophyseninsuffizienz möglich, und bei para- oder suprasellärem Wachstum können lokale Tumorzeichen auftreten (siehe Hypophysentumore).

Von den Prolaktinomen abzugrenzen sind Pseudoprolaktinome, die selbst kein Prolaktin produzieren. Aufgrund einer Kompression des Hypophysenstiels ist der Zustrom des hemmend wirkenden hypothalamischen Dopamins unterbrochen, so dass eine Hyperprolaktinämie erfolgt. Ferner ist eine funktionelle Hyperprolaktinämie abzugrenzen, die z.B. durch Medikamente ausgelöst werden kann.

 Diagnostik des Prolaktinoms
Die Diagnostik des Prolaktinoms sollte bevorzugt in einem endokrinologischen Zentrum erfolgen.

a) Funktionsdiagnostik
Bestimmung des basalen Prolaktinspiegels. Werte über 200 ng/ml sind fast beweisend für ein Prolaktinom. Werte zwischen 25 und 200 ng/ml erfordern eine weitere Abklärung. Die Höhe des Prolaktinspiegels im Plasma korreliert gut mit der Größe des Prolaktinoms. Werte unter 500 ng/ml sprechen für ein Mikroprolaktinom. Extrem hohe Prolaktinspiegel weisen auf ein Makroprolaktinom hin.

Folgende Medikamente können zur Hyperprolaktinämie führen: Substanzen, die die Dopaminwirkung an den Prolaktinzellen antagonisieren, wie Neuroleptika und Metoclopramid.  Medikamente, die mit einer hypothalamischen Verarmung an Dopamin einhergehen, wie Reserpin oder Alpha- Methyldopa und Medikamente, die zur Hyperplasie der Prolaktin-produzierenden Zellen führen, wie z.B. Östrogene.

b) Lokalisationsdiagnostik
Die Lokalisationsdiagnostik des Prolaktinoms erfolgt durch Computertomographie oder Kernspintomographie. Dadurch lässt sich die Größe und Ausdehnung des Tumors sehr gut beurteilen. Außerdem sind insbesondere bei Makroprolaktinomen ophthalmologische Untersuchungen erforderlich (siehe Hypophysentumor).

Therapie des Prolaktinoms
Die Therapieplanung bei Hypophysentumoren muss unbedingt in einem endokrinologischen Zentrum erfolgen.

Mikroprolaktinome werden bevorzugt mit Dopaminagonisten behandelt. Diese sind Bromocriptin, Lisurid, Cabergolin und Quinagolid. Auch unkomplizierte Makroprolaktinome lassen sich mit Dopaminagonisten therapieren. Dies erfordert eine Langzeitbehandlung. Auch bei Mikroprolaktinomen treten nach kurz- oder mittelfristiger Behandlung mit Dopaminagonisten nach Absetzen der Therapie meist Rezidive auf.

Eine operative Behandlung des Prolaktinoms ist insbesondere bei rasch zunehmendem Gesichtsfeldausfall indiziert, wenn ein probatorischer Prolaktinbolus von 30 mg i.V. nicht binnen 24 Stunden zu einer deutlichen Verkleinerung des Tumors führt. Außerdem ist eine Operation angezeigt bei langsam entstandenen Gesichtsfeldausfällen, die sich nicht innerhalb von 4-12 Wochen unter einer Therapie mit Dopaminagonisten bessern. Sie ist indiziert bei Unverträglichkeit von Dopaminagonisten oder Nichtansprechen auf dieselben. Die Operation intrasellärer Tumoren erfolgt in der Regel mikrochirurgisch über einen trans-sphenoidalen (über die Nasennebenhöhlen) Zugang. Größere supraselläre oder parasellär ausgedehnte Tumoren müssen über einen transkraniellen (über das Gehirn) Zugang entfernt werden.

Bei Makroprolaktinomen kann eine adjuvante Strahlentherapie mit externer Bestrahlung der Hypophyse z.B. durch Linearbeschleuniger, Radiokobald oder mit dem Gamma-Knife durchgeführt werden.

Bitte beachten Sie:
Abklärung und Therapie eines Prolaktinoms sollten unbedingt in einem endokrinologischen Zentrum erfolgen.

Autor:  Professor Dr. med. W.A. Scherbaum
Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Rheumatologie
des Universitätsklinikums Düsseldorf